Lackieren oder Ölen?

12/01/2017
Häufig werden wir gefragt, wie die Kundinnen und Kunden denn ihr neuer Massivholztisch schützen können. Es wird eine praktische, aber auch repräsentative Oberflächenlösung erwartet. Der Tisch soll im natürlichen Look erscheinen, aber gleichzeitig auch bestmöglich geschützt werden. Wer sein Holz nicht schützt, wird enttäuscht werden. Denn das Holz kann sich verfärben oder verformen, es kann von pflanzlichen oder tierischen Schädlingen befallen werden oder es kann sein natürliches Aussehen verlieren, wenn es denn nicht angemessen geschützt wird.  

Wieso muss die Holzoberfläche geschützt werden?

Die Ziele der Holzoberflächenbehandlungen sind folgende:
      • Schutz der Oberfläche vor mechanischer Beanspruchung, Chemikalien, Verfärbungen durch Lichteinflüsse und Wärme
      • Schutz des Holzes vor der stark schwankenden Luftfeuchtigkeit und vor Nässe
      • Schutz des Holzes vor tierischen und pflanzlichen Schädlingen
      • Schutz der Oberfläche vor unhygienischen Schmutzanlagerungen
      • Veränderung der Holzfarbe
      • Intensivierung des Farbtones (anfeuern) und Erhöhen des natürlichen Glanzes des Holzes
      • Erzeugen von modischen Oberflächeneffekten (z. B. Hochglanz)

Bild Oberflächenbehandlung


Für die Oberflächenbehandlung stehen Ihnen ganz unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Man kann Möbel beizen, lackieren, wachsen, ölen, farb-lackieren, sandstrahlen, bürsten oder räuchern. Zwei Methoden, wie wir Möbel, insbesondere Massivholztische, häufig behandeln, stellen wir hier näher vor: Lackieren und Ölen.

Holzpflege mit Lack

Grundsätzlich unterscheiden wir beim Lackieren das Farb-Lackieren und das Lackieren mit Klarlack. Die meisten Oberflächen von Massivholzmöbeln werden mit Klarlack behandelt, ohne Farbpigmente.
Früher konnte man schon von weitem erkennen, ob ein Möbel lackiert oder geölt wurde, aufgrund des sehr starken Glanzes der lackierten Oberfläche. Heute verwenden wir häufig Mattlack bei dem der Unterschied visuell, aber auch haptisch fast nicht mehr auszumachen ist. Die Behandlung mit Lack wird dann eingesetzt, wenn das Werkstück häufig beansprucht wird und ein besonderer Schutz erforderlich ist. Der Lack bildet einen Film auf der Holzoberfläche. Dieser Lackfilm weist eine hohe Abriebfestigkeit und chemische Resistenz auf, denn Schmutz und Flüssigkeit gelangen so gar nicht bis zum Holz. Die Lacke sind in der Regel gut lichtbeständig und werden dort verwendet, wo es auf eine hohe Belastbarkeit und Feuchtebeständigkeit ankommt: Z. B. Treppen, Küchen-, Bad-, Schuleinrichtungen oder auch Tische und beanspruchte Möbel. Je nach Art des Lacks sind diese bestimmt weniger umweltfreundlich, als gewisse Öle. Wobei es hier auch stark auf das Produkt ankommt.

Lackieren

Holzpflege mit Öl

Für die Pflege von Möbeln verwenden wir sehr gerne Öl. Bei der Behandlung mit Öl werden die Farben und die Maserung des Holzes betont (wir sagen „es wird angefeuert“) und kommen nach der Behandlung so richtig gut zur Geltung. Zudem behält das Holz durch das Ölen seine spezielle Haptik. Denn Lack bildet nämlich eine Schicht auf der Aussenseite des Holzes. Öle dringen dagegen in das Holz ein. Deshalb bleibt das natürliche Aussehen des Holzes erhalten und es behält auch die schöne Struktur und die Wärme, die man spürt, wenn man das Holz berührt.
Wenn Sie das Öl mehrfach auftragen (für Massivholz wird Empfohlen, bis zu vier Mal Öl aufzutragen), ist das Holz sehr widerstandsfähig. Das Öl ist dann tief ins Holz eingedrungen und schützt so gegen Feuchtigkeit und Kratzer. Sollte die Oberfläche doch irgendwann zu sehr beansprucht sein, können Sie sie einfach abschleifen und erneut behandeln. Beachten Sie dabei aber, dass die Entscheidung fürs Einölen endgültig ist. Wenn das Holz einmal mit Öl behandelt wurde, hält Lack nicht mehr gut auf der Oberfläche. Auch Abschleifen hilft dann nicht mehr.

 ölen

 

Wenn Sie die Oberfläche selber behandeln, dann gehen Sie nach folgenden Punkten vor:

  • Schleifen Sie die Holzoberfläche mit einem 150 oder 180 Korn beidseitig. Idealerweise wässert man das Holz zuerst und schleift es dann mit einem 180 Korn gleichmässig in Längsrichtung.
  • Die Werkstücke, die Sie ölen möchten, sollten möglichst waagrecht liegen und am besten arbeiten Sie mit Handschuhen.
  • Mit Hilfe eines Baumwoll-Tuches (kein Microfasertuch verwenden!) tragen Sie nun das Öl auf die Holzoberfläche auf und massieren das Öl ein. Versuchen Sie überall etwa gleich viel Öl aufzutragen.
  • Die Werkstücke sollten immer beidseitig behandelt werden. Auch wenn die Unterseite des Tisches nicht sichtbar ist, muss sie geölt werden, damit sich die Tischplatte nicht verformt.
  • Lassen Sie die geölte Oberfläche während 24h trocknen. WICHTIG: Die benutzten Baumwoll-Tücher müssen im Freien aufgehängt werden und dürfen unter keinen Umständen nass in den Abfalleimer geworfen werden. Es besteht grosse Selbstentzündungsgefahr! Wenn die Lappen trocken sind, können sie in einem Plastiksack luftdicht verschlossen, entsorgt werden.
  • Nach einem Zwischenschliff mit einem 240 Körnung können Sie den zweiten Öl-Auftrag vornehmen. Dieses Mal muss bereits deutlich weniger Öl verwendet werden, als beim ersten Auftrag, weil die Holzporen bereits gefüllt sind. Wieder lassen Sie die Oberfläche während 24h trocknen und wiederholen dann den Vorgang bis zu vier Mal.
 

Direktvergleich von Lack und Öl

  Lack Öl
Optik Glänzend oder matt; Eher glatte Oberflächen Natürliche Farbe, Natürliche Maserung, Natürliche Haptik
Aufwand Erstbehandlung einfach, Auffrischung recht aufwendig Erstbehandlung aufwendig (mehrfaches Auftragen), Auffrischung einfach
Schutz Guter Schutz gegen Flüssigkeiten und andere Substanzen; Guter Schutz gegen tierische und pflanzliche Schädlinge, Guter Schutz vor unhygienischen Schmutzablagerungen, Holzfarbe kann sich leicht verändern Mit Flüssigkeiten ist Vorsicht geboten; Allgemein weniger Widerstandsfähig; Nur bedingter Schutz gegen tierische und pflanzliche Schädlinge, Bedingter Schutz vor unhygienischen Schmutzablagerungen Holzfarbe kann sich leicht verändern
Anwendungsbereiche Aussenbereiche, stark beanspruchtes Holz, Nassbereiche Innenmöbel, Fussböden, Trockenbereiche
Vorteile Widerstandsfähiger, kein Pflegeaufwand Umweltfreundlicher, natürlicher in der Haptik
Nachteile Chemie, nicht selber auffrischbar Pflegeaufwand, nicht so widerstandsfähig
 

Persönliches Statement

Mein Eichenmassivholztisch habe ich lackiert. Ich wollte eine Oberfläche die auch bei mehrmaligem Kleckern und „Aus-Versehen-Ausleeren“ robust ist und ich nicht so intensiv pflegen muss. Unsere kleine Tochter bestätigt nun meinen Entscheid: Tomatensauce überall, Früchtebrei verteilt, Joghurt ausgeleert, aber auch Kaffee- und Weinflecken mitten auf dem Tisch, stehen bei uns an der Tagesordnung. Ich bin froh, muss ich mir keine Zeit für die Tischpflege einplanen und kann dafür in der „gewonnen Zeit“ irgendetwas anderes Sinnvolles schreinern. Aber zugegeben: würde ich ganz auf die Funktionalität verzichten und hätten wir keine Kinder, wäre mein Entscheid klar für das Ölen ausgefallen. Irgendwie verbinde ich natürlichere Gefühle mit dem Ölen…  So hat wohl jede Entscheidung seine Berechtigung.

Anouk

Bei uns in der Ausstellung finden Sie zudem Muster von geölten und lackierten Oberflächen und gerne beraten wir Sie auch ausführlich über Ihr Vorhaben. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf und besuchen Sie uns in Bremgarten.

Über die Autorin

Barbara Hüsser
Barbara Hüsser
Geschäftsführerin von Hüsser Innenausbau und passionierte Schreiner-Bloggerin. Nach der Matura zunächst Studium an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz bis zum Abschluss als Sekundarlehrerin. Nach kurzer Lehrertätigkeit, Einstieg in den Schreinerberuf mit der Lehre zur Schreinerin. Parallel dazu Ausbildung am Schweizerischen Institut für Unternehmensführung zur Betriebswirtschafterin. Barbara Hüsser führt den 1913 gegründeten Familienbetrieb Hüsser Innenausbau in der vierten Generation.

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