Auftakt Workshop Eigentisch

24/01/2017
Endlich ist es so weit und wir können erste Erfahrungswerte mit dem Workhsop Eigentisch sammeln. Vergangen Samstag trafen wir eine vierköpfige liebevolle Familie, die sich auf unser Experiment Eigentisch einlassen wollte und gespannt war, was der Tag in der Schreinerei alles mit sich bringt. Auch wir waren gespannt, ob unser Familien-Schreinern auch bei den Kids und den Erwachsenen ankommt, ob sie sich für das Schreinern interessieren und ob ihnen wohl der neue Esstisch dann auch wirklich gefällt!?

Staplerfahren zum Auftakt

Am Samstagvormittag um 9.00 Uhr starteten wir zum ersten Mal das Projekt „Eigentisch“. Die Familie mit zwei Kindern (4 und 6 Jahre alt) war schon lange auf der Suche nach Ihrem neuen Esstisch. Zwar fanden sie schon bald Objekte die ihnen gefielen, aber zum Kaufentscheid konnten sie sich nicht durchringen. Weshalb nicht? „Es fehlte die Emotion“, meinte der Vater und COO einer Schweizer IT-Agentu. An ihrem Familientisch wird gegessen, gelacht, gestritten, sich versöhnt, Hausaufgaben gemacht, diskutiert… „Der Tisch ist voller Leben und Zentrum unseres Alltags. Da erschien es uns komisch einen 08/15-Tisch aus einem Möbelhaus zu kaufen. Es fehlte die Verbindung mit einem solchen Tisch.“ Und so wurden sie per Zufall auf unser Workshop „Eigentisch“ aufmerksam. Die Familienfrau und Head Legal einer grösseren IT-Firma erklärte:

„Für uns ist es nur schon eine Bereicherung, wenn wir sehen, wo der Tisch hergestellt wird, wie es hier in der Werkstatt riecht, wie diese Schreinerei überhaupt aussieht und was für Mitarbeiter dahinter stecken. Dass wir sogar noch aktiv am Tisch mitarbeiten dürfen ist das Pünktchen auf dem i!”

Wir starteten bei uns im Znüniraum bei Kaffee und Gipfel, wo wir die Familie mit Gehörschutz ausrüsteten. Anschliessend führte der Schreiner Andreas Zimmermann die Familie durch die Schreinerei und erklärte die verschiedenen Arbeitsabläufe bei uns. Der langjährige Hüsser-Mitarbeiter meinte zum Massivholz-, bzw. Plattenlager:

„Leider verarbeiten wir heutzutage viel mehr Plattenmaterial aus Spanplatten, als Massivholz. Denn mit Massivholz zu arbeiten ist und bleibt halt das schönste am Schreinerberuf.”  Da kann ich ihm nur Recht geben.

Die Kinder waren zu Beginn zwar noch etwas schüchtern, aber schon nach dem ersten Gipfeli und spätestens beim Probesitzen im Stapler, leuchteten die Augen der beiden.






Vom Nussbaum zum Brett

Sobald die Familie die Werkstatt inspiziert hatte, ging es darum selber aktiv zu werden. Wir beschlossen, anstatt den ganzen Tisch herzustellen, für was die Zeit niemals reichen würde, einfach ein Brett en miniatur zu fertigen, das die Familie dann nach Hause nehmen kann und z. B. als Brotbrett eingesetzt werden kann. Denn die Arbeitsabläufe bleiben ja die gleichen.
Zuerst wird das Nussbaumholz an der Pendelfräse abgelängt. Anschliesend an der Besäumfräse längs aufgeschnitten, bevor sie dann an der Abrichthobelmaschine in einen rechten Winkel gebracht werden. An der Dickenhobelmaschine konnten dann auch die Kids aktiv Hand anlegen: sie durften die frisch gehobelten Teile entgegen nehmen und kontrollieren, ob die Maschine auch wirklich sauber gearbeitet hat. An der Tischfräse trennte der Schreiner die Bretter weiter auf und anschliessend wurde an der Breitbandschleifmaschine noch kalibriert.
Andreas erklärte der Familie nun die Verleimregel von Holz: Splint an Splint, Kern an Kern überstürzt! Ebenfalls verriet er das Geheimnis vom Schreiner Dreieck und führte gleich vor, wie einfach die Reihenfolge der Bretter mit Hilfe des Dreiecks gemerkt werden kann. Auch beim Verleimen konnte die ganze Familie aktiv mit helfen: ausgerüstet mit Handschuhen trugen sie den PU-Leim sorgfältig auf und spannten anschliessend das Brett im Leimständer fest.





Familienarbeit

Die Familie hat nun die wichtigsten Schritte, wie eine Tischplatte entsteht, kennen gelernt. Nun möchten sie aber auch noch an ihrem neuen Tisch mitarbeiten! Weil sich die Familie ein Tisch mit Baumkante ausgesucht hat, gibt es hier noch einiges zu schleifen: mit Handteller-Schleifmaschine und Schleifklotz werden nun die groben Teile der Baumkante weggeschliffen, aber nur so, dass die natürliche Optik der Baumkante noch sichtbar bleibt. Auch hier halfen die Kids tatkräftig mit und als Zwischenprogramm beschäftigten sie sich mit dem „Pallettrolli“ und „Furnier-Schwertern“. Die 6-jährige meinte zu ihrer Mutter:

„ Das ist sooo cool hier!“

Wow, mit dieser Aussage wird auch mir gleich warm ums Herz. In der Zwischenzeit konnte das Brett im Leimständer trocknen und war bereit für die nächsten Arbeitsschritte. Es folgte erneutes Hobeln, bzw. Schleifen, die Bretter wurden auf Grösse zugeschnitten und als Highlight konnte die Familie dann ihre Namen in das Brett eingravieren lassen. Diese Fräsarbeiten wurden an der CNC vorgenommen, die vorgängig programmiert wurde. Natürlich gehört zu einem Tag in der Schreinerei auch das Aufräumen: die Kinder freuten sich über die grossen Besen und hätten am liebsten die ganze Werkstatt sauber geputzt.





Brotbrett, Tisch und viele Erinnerungen

Am Ende des Eigentisch-Workshops konnte die Familie dann die zwei individualisierten Brotbretter mit nach Hause nehmen. Aber nicht nur das: in ewiger Erinnerung bleibt, wie die Familie gemeinsam am Tisch mitgeschreinert hat, wie sie den Spriessen aus dem Finger des 4-jährigen Jungen gezogen haben, wie der Staub in der Nase kitzelte und wie das Schleifen vollen Körpereinsatz erforderte. Gleichzeit wurde ihnen aber auch bewusst, dass ein Tisch nicht nur aus einem Baum-Brett besteht, sondern dass viele Arbeitsschritte notwendig sind, um eine Tischplatte herzustellen.

„Wir freuen uns unglaublich fest auf den neuen Tisch. Er entspricht genau unseren Erwartungen und hat Charakter – wie unsere Familie auch.“

Schwärmte die Mutter. Aber auch der Papa bestätigt:

„Wenn uns nun jemand über unseren neuen Tisch ausfragt, wird dies ein Abend füllendes Thema und bestimmt kommen andere Familien oder Paare auch auf den Geschmack ihren Tisch mit zu schreinern und Schreinerluft zu schnuppern.“




Auch für uns ist der Auftakt mehr als geglückt, schaut man doch neuen Unterfangen immer etwas vorsichtig entgegen, konnte die wunderbar herzige Familie uns im Vorhaben vom Familien-Schreinern bestärken. Schön, dass sich die Familie auf dieses Experiment eingelassen hat! Danke!

Wir freuen uns schon jetzt auf viele weitere Workshops mit Paaren, Familien, Hobbyhandwerkern, Business-Teams… Nehmen Sie mit uns Kontakt auf: egal ob Sie nur ein paar Stunden oder mehrere Tag Zeit haben in der Werkstatt mit zu helfen: wir stellen für Sie das perfekte Schreinerprogramm zusammen!

Über die Autorin

Barbara Hüsser
Barbara Hüsser
Geschäftsführerin von Hüsser Innenausbau und passionierte Schreiner-Bloggerin. Nach der Matura zunächst Studium an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz bis zum Abschluss als Sekundarlehrerin. Nach kurzer Lehrertätigkeit, Einstieg in den Schreinerberuf mit der Lehre zur Schreinerin. Parallel dazu Ausbildung am Schweizerischen Institut für Unternehmensführung zur Betriebswirtschafterin. Barbara Hüsser führt den 1913 gegründeten Familienbetrieb Hüsser Innenausbau in der vierten Generation.

4 Kommentare

  1. Nicole Ackermann

    15. February 2017 um 7:42 am

    Hallo Barbara

    Coole Sache!
    Bietet ihr auch einen Schreinerkurs für Frauen? Mein Clubtischchen selber schreinern, dies wäre genial. 🙂

    Grüessli Nicole

  2. Barbara Hüsser

    16. February 2017 um 8:20 am

    Hallo Nicole, vielen Dank für deine Message! Klar, Frauen sind natürlich sehr willkommen! 🙂 Und, solange der Clubtisch aus Holz ist, können wir den gerne auch gemeinsam schreinern! Wäre ja toll! Melde dich, wenn es konkret wird – ich würde mich sehr freuen! Herzlichen Gruss, Barbara

  3. Familie Nick

    15. February 2017 um 10:11 am

    Guten Tag super Idee. Wäre das auch mit Altholz möglich? mit einer schönen Patina? Wir suchen einen Gartentisch und das wäre natürlich toll. Liebe Grüsse jasmin nick

  4. Barbara Hüsser

    16. February 2017 um 8:24 am

    Hallo Jasmin Nick, vielen Dank für Ihre Message. Schön, dass Ihnen unsere Idee gefällt. Klar, wir verarbeiten auch Altholz. Allerdings ist es immer so eine Sache, wenn der Tisch dann draussen steht: Es kann dann schon sehr gut sein, dass er sich verformt oder verfärbt – trotz Oberflächenbehandlung. Da der Tisch draussen extremen Wärme- und Feuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt ist, schwindet und quillt das Holz viel extremer, als im Innenbereich. Aber am besten kontaktieren Sie uns einfach und wir besprechen Ihr Anliegen – bestimmt finden wir eine Lösung! Beste Grüsse, Barbara Hüsser

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